Logbucheintrag #10 – Kreislaufkollaps

RegentropfenMein Leben ist geprägt von krassen Gegensätzen. Es gibt Phasen, in denen ich wochenlang nicht mal die engsten Freunde treffe. Zum Geist werde. Nach der harten Askese konsultiere ich irgendwann wieder sehr selektiv Menschen. Meist lerne ich dann eine Frau kennen und hole mit ihr im Zeitraffer alles nach, was ich in den Monaten zuvor vernachlässigte. Wärme, Nähe, Sex, Interaktion. Batterien aufladen und weiterfahren. Im Moment sitze ich jedoch wieder alleine an meiner geliebten Panke. Nicht ganz freiwillig, aber irgendwie zufrieden. Ich blicke auf das Wasser des gemächlich ziehenden Flüsschens, hänge den Gedanken nach und sehe anderen dabei zu, wie sich mich anstarren. Ja, der Nasenring ist wirklich so groß.

In den nächsten Tagen werde ich mich wohl mehr auf die eigene Person konzentrieren (müssen). Auf meine kleine Nerdwelt, die Katzen und das Grün des Sommers. Irgendwann findet sich erfahrungsgemäß eine weitere interessierte Seele an meiner Seite wieder und der Kreislauf beginnt von neuem. Ein paar Wochen, vielleicht Monate tausche ich mich aus, bin Mitmensch und Liebhaber. Dann irgendwann ein Cut und es geht umgehend zurück auf Feld Eins des Spielbretts. Das Dharma-Rad mit seinen acht Speichen mag sich unaufhörlich drehen, aber ich bleibe regungslos. Passe mich an die Gegebenheiten an, akzeptiere und beobachte. Ohne Groll, Widerstand oder größere Traurigkeit lebe ich einen Tag nach dem anderen ab. Sachdienlich, gesetzestreu, leidlich unterhaltsam. Sprechen Sie mich an, ich helfe gerne!

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