In Memoriam Ronnie James Dio

Ronnie James Dio SchallplattenHeute vor fünf Jahren starb mein persönlicher Held in einem texanischen Krankenhaus an Krebs. Ich kann mich noch genau an das ungute Gefühl erinnern welches mich beschlich nachdem die Nachricht seines Leidens publik wurde. Ebenso werde ich den Moment nie vergessen als ich circa 1989 vor einem Wühltisch im ortsansässigen „Meister“ Markt stand und meine Augen zum ersten Mal auf das Cover des dritten Dio Albums „Sacred Heart“ blickten. Alleine der im Nachhinein betrachtet vielleicht etwas kitschig anmutende, im Geist eines Zwölfjährigen jedoch enorm beeindruckende Drache darauf schien es wert zu sein diese LP zu kaufen. Geheimnisvoll wirkende lateinische Worte, ein kleines Juwelenherz in den Klauen des Wesens und die von den Händen eines Zauberers gehaltene Kristallkugel ließen dann auch den letzten Zweifel dahinschwinden. Es war sonnenklar dass ich den Grabbeltisch nicht weiter untersuchen musste. Ich hatte das beste Stück Musik gefunden, welches ich für meine sieben Mark bekommen konnte.

Keine Stunde danach sank im Kinderzimmer die Nadel auf das Vinyl und der Opener „King Of Rock ‚N‘ Roll“ nahm mich mit in die buchstäblich fabelhafte Welt des damals schon längst zum Star gewordenen Ronald James Padavona (so der Geburtsname des US-Amerikaners). In den folgenden Monaten arbeitete ich mich tiefer und tiefer in das Schaffen des kleinen großen Mannes ein, um Perlen von Elf, Rainbow und natürlich Black Sabbath zu entdecken. Neben Dio Songs wie „Hungry For Heaven“, „Stand Up And Shout“, „Rainbow In The Dark“ oder „All The Fools Sailed Away“ erklangen wenig später auch „Neon Knights“, „Run With The Wolf“ und „Man On The Silver Mountain“ in meinen beengten vier Wänden.

Zur tollen Musik, die mich oft wie ein Berserker durch den Raum hüpfen ließ, kam mit fortschreitenden Englischkenntnissen noch tiefes Verständnis für Ronnies facettenreiche Lyrics dazu. Eingebettet in das metalkompatible Fantasykonzept fanden sich hier unzählige kraftspendende, erhellende oder auch mal naiv-poetische Botschaften, die Außenseitern aller Art einen Grund schenkten sich der oft niederschmetternden Realität auch am nächsten Tag noch zu stellen. Wenn es jemanden gibt der stellvertretend für die positive Energie des Heavy Metal steht, dann mit Sicherheit dieser stimmgewaltige Künstler.

Kurz bevor Dio am 16.05.2010 mit 67 Jahren verstarb, machte ein Video die Runde, das ihn während der Chemotherapie zeigte und den sichtlich angeschlagenen Mann als genau die Kämpfernatur dokumentierte, die er war. Ronnie riet seinen Fans nicht nur dazu niemals aufzugeben, er tat es auch selbst nicht. „Cancer, I kick the hell out of you!“, ließ Dio die Öffentlichkeit im Interview aus dem Krankenhaus noch wissen. Leider war dieser Drache selbst für einen tapferen Recken seines Formats zu stark um ihn zu bezwingen.

Ich werde hier nicht auf die immense Relevanz eingehen, die der außergewöhnliche Musiker weltweit hatte und bis in alle Ewigkeit haben wird. Jeder, der sich nur im Ansatz mit Rockmusik beschäftigt weiß um Mr. Padavonas Verdienst und kann einschätzen welch großer Verlust sein Tod bedeutet. Für mich ganz persönlich avancierte Ronnie James Dio zur Vaterfigur, die durch Musik immer zur Stelle war wenn sonst niemand an meiner Seite weilte. Wenn Eltern sich nicht im Geringsten um meine Befindlichkeiten kümmerten, wenn Lehrer mich nicht verstehen wollten oder Freunde viel zu früh starben. Bis zum heutigen Tage verursachen viele seiner Songs eine dicke Gänsehaut und treiben mir hin und wieder Freudentränen ins Gesicht. Ronnies Texte sind zu wohlbehüteten Mantren für mich geworden, die ich immer heranziehe wenn der Weg steinig wird und ich kurz davor bin alles hinzuschmeißen.

Lieber Ronnie, ich danke Dir aufrichtig für so viel Gutes, Bewegendes und Kostbares, das du in mein Leben gebracht hast. Ruhe in Frieden.

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