2015 – Zwölf Monate im Zeitraffer

Uhrwerk vor MauerEinen Tag vor Silvester bekommt auch mein Jahr 2015 einen imaginären Haken hinten ran. Im persönlichen Bereich waren die letzten zwölf Monate deutlich ruhiger und ereignisarmer als 2014. Es gab keine Klinikaufenthalte, keine ständig wechselnden Frauen, und auch keine enormen gesundheitlichen Fortschritte. Viel mehr galt es, die erlernten Skills in den Alltag einzubauen, und mir ein neues Leben, basierend auf Achtsamkeit und individuellen Bedürfnissen zu erarbeiten. Hier hat sich dann doch einiges getan, denn ich schaffe es mehr denn je, meine innere Stimme wahrzunehmen, und versöhnlicher mit mir umzugehen.

Nach dem unrühmlichen Ende einer weiteren kurzen Beziehung im Sommer, begann ich, mir ein beschauliches und gar nicht so schlechtes Einsiedlerdasein zu kultivieren, das sich recht gut anfühlt. Ich entdeckte die Liebe zur Musik und zum Film neu, gönne mir viel Zeit mit den Katzen, und schaffe es beinahe jeden Tag, zumindest für 30 Minuten aus dem Haus zu gehen. Generell ist mir die Natur in 2015 noch einen ganzes Stück wichtiger geworden, denn dort sind meine Gedanken am klarsten, und Gefühle am spürbarsten. Fotografieren, Malen und Schreiben erwuchsen darüber hinaus zu effektiven Ausdrucksformen, die dem stets hungrigen Hirn sein benötigtes Futter geben.

Ich bin dankbar für dieses Plus an Lebensqualität, für meine unermüdliche beste Freundin Christina, für die große Liebe der tierischen Mitbewohner, und für turbulente Monate mit einer irischen Schönheit. Traurig dagegen stimmt mich u.a. der Tod von Lemmy Kilmister, welcher seit 1988 eine Vaterfigur darstellt, die mit ihrer Musik Trost, Motivation und Einsicht spendet. 70 Erdenjahre waren ihm vergönnt, und ich bin mir sicher, er hat sie bis zum Letzten ausgekostet. Ohne ihn ist die Welt noch ein wenig kälter geworden, aber immerhin hinterlässt er mir 22 Motörhead Alben, mit denen ich die Nachbarn bis zum eigenen Ableben nerven kann.

Gute Vorsätze verkneife ich mir generell, aber ein paar Wünsche für die Zukunft sind natürlich schon zusammengekommen. So würde ich gerne mit therapeutischer Hilfe meine große Angst vor echter Nähe verringern. Vielleicht brächte ich dann endlich die Courage auf, mich längerfristig an einen lieben „Freak“ zu binden. Auch wenn ich die Einsamkeit brauche, und wochenlang ohne Menschen auskommen kann, fehlt mir dieses Gefühl der Zugehörigkeit sehr. Es mögen vielleicht keine Quantensprünge zu erwarten sein, aber auch kleine Schritte führen irgendwann in die Freiheit. Macht etwas Gutes aus 2016, aber tut nichts, was ich nicht auch tun würde! The world is yours.

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