Liebes Facebook, wir müssen reden!

StatistikenEs dürfte 2006 gewesen sein, als ich mich endgültig vom damals schon arg schwächelnden MySpace abwandte, und mein erstes Profil bei Facebook einrichtete. Damals war mir Mark Zuckerbergs Social Media Plattform vollkommen neu, und hatte bei weitem noch nicht die Relevanz von heute. Zahlreiche „Moved to Facebook“ Grafiken auf MySpace, machten mir jedoch schnell klar, wohin die Reise geht. Ich erinnere mich noch gut daran, dass FB wegen seines nüchternen Looks nicht nur auf Gegenliebe stieß, und die ganz harten MySpace Selbstdarsteller ziemlich enttäuschte. Auch ich konnte mich erst im Laufe der Zeit halbwegs damit anfreunden, finde die Usability aber bis heute eher suboptimal, und im Vergleich zu Google+ regelrecht unstrukturiert.

Vor zehn Jahren war es noch die Norm, bei Facebook (und generell) unter einem Pseudonym zu netzwerken. Mittlerweile ist dies ja eher verpönt. Nur die abgeklärtesten Zeitgenossen verwendeten ihren Klarnamen, und lebten damit vor, was Herr Zuckerberg sinngemäß unter „alles ist öffentlich“ zusammenfasste. Mein erster Alias war übrigens „Juan López Moctezuma“, ein mexikanischer Regisseur, dem wir Filme wie „Alucarda – Tochter der Finsternis“ oder „The Mansion Of Madness“ zu verdanken haben. Zum einen kannte den niemand, und zum anderen hatte der Name deutlich mehr Schmiss als Stefan Focke. Dachte ich zumindest.

Im Laufe der Monate trudelten etliche Freunde, Bekannte und Kollegen auf dem babyblauen Tummelplatz ein, was den Zeitaufwand nicht nur für mich potenzierte. Spätestens 2010 hatte das umtriebige Finanzimperium dann auch den letzten Zweifler im Sack, und Facebook wurde zum täglichen Brot für beinahe jeden von uns. Ich möchte ehrlich gesagt gar nicht wissen, wie viele Stunden meines Leben draufgingen, um Schrott zu posten, Kommentare abzugeben, Motivationssprüche zu lesen oder inhaltsarme Chats zu führen. Hauptsache dabei sein und nichts verpassen! Dass man in Wirklichkeit alleine zuhause vor dem Rechner saß, spielte irgendwann keine Rolle mehr.

Jedenfalls mutierte ich nach und nach zur Aufmerksamkeitshure, die gierig auf Likes wartete, und immer spektakulärere Wege erdachte, diese auch zu bekommen. Uralte Kinderfotos, verstörende Grafiken, provokative Statusmeldungen, ich ließ nichts aus, um Feedback einzutreiben. Aufmerksamkeit stand vor allem, egal in welcher Art und Weise. Die Selbstdarstellungsmaschine lief auf Hochtouren, und sowohl Zustimmung als auch Ablehnung gaben den benötigten Kick. Binnen kürzester Zeit wurde aus mir ein vollkommen unfokussierter Online Junkie, der ohne seine tägliche Dosis Facebook nicht mehr leben konnte. Eine Sucht, die sicherlich viele User nachvollziehen werden.

2013 beschloss ich dann in einem hellen Moment, dass es so nicht weitergehen darf. Innerhalb von zwei Tagen erklärte ich meinen Ausstieg bei Facebook, versorgte alle „Freunde“ mit Telefonnummer bzw. E-Mail-Adresse, und löschte das Profil. Neben viel Zustimmung und Verständnis, brachte mir dies auch Häme ein. „Du kommst doch eh bald wieder“ oder „Quitting Facebook is the new version of running away from home“ gab es da zu lesen. Derartiges Feedback bestärkte mich damals jedoch eher, als dass es mich zweifeln ließ. Wenn ich mir tatsächlich ein Heim aus Bullshit, Abhängigkeit und Geltungssucht gebaut habe, dann war es vielleicht gar nicht so verkehrt, davon wegzulaufen. [Fortsetzung folgt]

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