Leitmotiv Luzifer (2) – Ad Astra

Nach dem Studium der satanischen Basics vertiefte ich mich in weitere offizielle Schriften von Anton Szandor LaVey und dem heutigen High Priest der Church Of Satan, Peter H. Gilmore. Ich lernte eine Menge über satanischen Feminismus, Herdenmentalität, Vernunft, Gleichmut, Eigenverantwortung, Selbstliebe, Genuss, psychische Vampire und die Heuchelei scheinbarer moralischer Instanzen. Vor all der erhellenden Theorie stand aber das „Gefühl Luzifer“. Ein warmes, tiefschwarzes, sanftes und erfüllendes, ja gar liebevolles Signal, das klar und deutlich in mir resonierte. Mühelos überstrahlte es den Lärm der Außenwelt, ohne sich anzubiedern oder um Aufmerksamkeit zu buhlen.

Mit diesem untrüglichen Echolot beschritt ich fortan ohne Furcht den Pfad zur linken Hand und entfernte mich immer weiter von blinder Obrigkeitshörigkeit oder sinnfreier Selbstaufopferung. Es galt, das Leben zu genießen, weil nach dem Tod kein ewiges Fortbestehen zu erwarten war. Beflügelt durch den Satanismus, krempelte ich die Ärmel nach oben und räumte all den Müll beiseite, der ein stetes Wachstum erschwerte. Co-Abhängigkeiten wurden beendet, menschliche Blutsauger entlarvt und aus meinem Leben entfernt sowie das Auge für die Gesamtheit komplexer Sachverhalte geschult. Ich schritt mit Siebenmeilenstiefeln voran und die schwarze Flamme Baphomets leuchtete mir den Weg.

Mir wurde klar, dass die satanische Philosophie als ideologisches Gebilde fungiert, welches unbedingt einen individuellen Nährboden benötigt. Basierend auf den eigenen Bedürfnissen und der jeweiligen Persönlichkeit, ergibt sich so ein lebendiges Kraftfeld, das Schwert als auch Feder zugleich darstellt. Alleine schon diese Vielschichtigkeit unterscheidet sich signifikant von starren Weltanschauungen, die jede Person in dasselbe enge Korsett schnüren möchte, nur um sich über sie zu erheben. Wer heutzutage angestaubten und restriktiven Credos hinterher trauert, mag zwar die Mehrheit besänftigen, wird aber auf ewig ein kümmerliches Dasein mit geringen Aufstiegschancen führen.

Falls einigen von euch nun immer noch das medial geprägte Bild des „Satansmörders“ im Kopf herumspukt, hier ein paar Anmerkungen: LaVey legte in den elf Regeln der Erde ganz klar fest, dass kein Mensch oder Tier durch einen Satanisten verletzt werden darf und man niemandem die Philosophie aufbürden möge, der nicht von sich aus Interesse daran zeigt. Wenn also nun jemand kriminelle Handlungen vollzieht und sich auf den fleischgewordenen Teufel beruft, dann geschieht dies keinesfalls im Einklang mit der Church Of Satan. Papier ist geduldig, dennoch bedarf es schon eines argen Ignoranten, um in den satanischen Schriften buchstäbliche Aufrufe zur Gewalt zu finden. Ihr müsst euch also weder Sorgen um das Wohlergehen meiner latent divenhaften Katze Monika noch der Nachbarn machen.

Auch wenn mir dieser Artikel schon lange am Herzen lag, habe ich keinerlei missionarischen Eifer und bin mir durchaus bewusst, dass die dunklen Künste lediglich für ein paar wenige Zeitgenossen von Interesse sind. Man muss die Idee weder unterstützen noch verstehen, jedoch sollte ihr der gebührende Respekt entgegengebracht werden. Ich persönlich kann mit klassischen Glaubensrichtungen überhaupt nichts anfangen, halte eine friedliche Koexistenz aber trotzdem für unabdingbar. Nur wer zu mir nach Hause kommt, wird wohl oder übel mit dieser Facette meiner Persönlichkeit konfrontiert. Alle anderen dürfen gerne weiterhin das tun, was ihrem Boot Schwung verleiht und keinem schadet. In diesem Sinne: Per aspera ad astra.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.