Gefangen zwischen den Jahren

Die Weihnachtstage sind vorbei und wie immer bin ich dafür auch ein bisschen dankbar. Zwar genoss ich die Stille im Kiez und war froh, ein paar Stunden ohne meine endlos streitenden Nachbarn erleben zu dürfen, aber mehr auch nicht. Am 24.12. fing eigentlich alles gut an, denn ich bekam überraschenderweise Besuch und verbrachte einen kurzweiligen Abend, völlig losgelöst von großartigen Erwartungen oder falscher Besinnlichkeit. Ein durchaus gelungener Auftakt, der mich positiv auf die nähere Zukunft blicken ließ. So konnte ich den Montag recht gut alleine stemmen, ohne zu viel nachzudenken oder meine fehlende Familienzugehörigkeit zu betrauern. Am Dienstag dagegen sollte ich so tief wie schon lange nicht mehr sinken.

Vormittags schien alles noch halbwegs in Ordnung, trotz des andauernden trüben Wetters und physischer Schmerzen, die mich seit zwei Wochen wieder plagen. Nach dem Mittagessen machte ich mich sogar zu einem Spaziergang auf, um etwas frische Luft zu schnappen. Bewegung und die Eindrücke der Außenwelt verbessern in der Regel meine Laune und lenken den Fokus weg von mir und der manchmal unerträglichen Schwermut. Diesmal sollte es aber anders sein, denn mitten im Prenzlauer Berg überkam mich eine Traurigkeit und Perspektivlosigkeit, die ihresgleichen suchte. Ich war alleine in einer trostlosen Umgebung und sah keinerlei Licht mehr. Die totale Sonnenfinsternis ohne Ankündigung oder Vorwarnung. Während alle Welt sich am Festtagsessen labte, kämpfte ich mit einem unsichtbaren Feind, der mich mit aller Macht zu Boden reißen wollte.

Auch am Abend des gestrigen tiefschwarzen Tages kam ich nicht mehr in die Spur. Gegen 20 Uhr saß ich still in meinem dunklen Zimmer, trank Bier und suchte nach dem Faden, der mir vor Kurzem abhandengekommen ist. Später schrieb ich, leicht angetrunken, irgendwelche bedeutungslosen Nachrichten in die Weiten des Internets. Von meinem Zustand erzählte ich nichts und auch die Antworten drangen nicht mehr zu mir durch. Es war Mitternacht in meinem Herzen und in meiner Seele. Mal wieder. Verloren in der Twilight Zone. Wie es ab heute weitergeht, wird sich noch zeigen. Ich glaube allerdings, dass der langsam wieder einkehrende Alltagstrott mir gut tut. Die weihnachtliche Dekoration verschwindet aus den Läden und alle Welt marschiert im wohlbekannten Takt in Richtung 2018.

Für mich gilt es nun nur noch, die Silvesterfeier am kommenden Sonntag zu überstehen. Das sollte alleine schon deshalb einfacher zu bewerkstelligen sein, weil es sich nur um einen Abend handelt. Erfahrungsgemäß werde ich mir etwas zu Essen bestellen, zu viel trinken und am Fenster 20 Minuten das Feuerwerk begutachten. Danach gedenke ich noch jenen, die es nicht ins neue Jahr geschafft haben, und um 1 Uhr gehen dann hier die Lampen aus. Der Abpfiff für zwölf Monate, die mir nicht viel Freude bescherten. Was 2018 an Überraschungen bereithält, steht in den Sternen. Große Sprünge erwarte ich allerdings nicht. Ich bin noch im Spiel, bleibe irgendwie am Ball und sehe zu, dass ich nicht vom Rand der Erde falle. In diesem Sinne: Prost Neujahr!

Ein Kommentar

  • Immer hast du irgendwo noch dieses kleine, gerade so wahrnehmbare Glimmen des Optimismus in Dir, und es tut gut, diesen aus all den doch traurigen Zeilen herauszulesen. Lass es nie erlöschen.

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