Logbucheintrag #13 – Hand in Hand

Heute ist der denkbar beste Tag, um mich auch mal öffentlich bei den wunderbaren Frauen zu bedanken, die in den letzten 40 Jahren meinen Weg kreuzten. Die mir Sanftheit lehrten und halfen, mich von veralteten Rollenklischees zu befreien oder meine Männlichkeit zu liberalisieren. Die mir jedes Mal, wenn ich mit Faust und Kopf durch die Wand brechen wollte, einen besseren Weg zeigten. Die meinen Geist, aber auch mein Herz mit Mut, Diversität, Wissen, Kraft und einem facettenreichen Spektrum des Fühlens erfüllten. Dies sind nur ein paar der Gründe, warum es für mich unabdingbar ist, sich für Gleichheit und Feminismus einzusetzen. Nicht nur am Internationalen Frauentag, sondern immer.

Logbucheintrag #12 – Auf hoher See

“Northwest Passage” von The Real McKenzies war mein bedeutendster Song in 2017. Ich hörte ihn fast täglich an, denn er half mir, dieses beschissene Jahr durchzustehen. Ich schloss meine Augen, sang den Text und konnte die Seebrise beinahe auf meiner Haut spüren. In Gedanken bereiste ich die sieben Weltmeere und sah all die Wunder dieser Erde. Für ein paar Minuten war ich nicht mehr in meiner Wohnung oder in Berlin gefangen. Es gab keine Angst und keine Dunkelheit. Ich war frei. Das ist nur einer von unzähligen Gründen, warum Musik so wichtig für mich ist. Sie lässt mich überleben.
 

Logbucheintrag #11 – Zurück auf der Erde

Bis vor einigen Tagen gab es nicht den geringsten Zweifel daran, dass ich diesen Blog für immer abhake. Seit meinem letzten Beitrag sind acht lange Monate vergangen, in denen die Seite teilweise offline war oder einfach zu Instagram weitergeleitet wurde. Je nachdem, wie ich gerade zu dem Projekt stand. Mal löschte ich den Blog komplett, nur um ihn ein paar Tage später mühevoll wieder aufzusetzen. Mal wollte ich die Domain abmelden, mal dies und mal jenes. Ich brauchte einfach Abstand von der öffentlichen Selbstreflexion und schwor, nie mehr auch nur eine Zeile zu Papier zu bringen.
Weiterlesen

Logbucheintrag #10 – Kreislaufkollaps

RegentropfenMein Leben ist geprägt von krassen Gegensätzen. Es gibt Phasen, in denen ich wochenlang nicht mal die engsten Freunde treffe. Zum Geist werde. Nach der harten Askese konsultiere ich irgendwann wieder sehr selektiv Menschen. Meist lerne ich dann eine Frau kennen und hole mit ihr im Zeitraffer alles nach, was ich in den Monaten zuvor vernachlässigte. Wärme, Nähe, Sex, Interaktion. Batterien aufladen und weiterfahren. Im Moment sitze ich jedoch wieder alleine an meiner geliebten Panke. Nicht ganz freiwillig, aber irgendwie zufrieden. Ich blicke auf das Wasser des gemächlich ziehenden Flüsschens, hänge den Gedanken nach und sehe anderen dabei zu, wie sich mich anstarren. Ja, der Nasenring ist wirklich so groß.

In den nächsten Tagen werde ich mich wohl mehr auf die eigene Person konzentrieren (müssen). Auf meine kleine Nerdwelt, die Katzen und das Grün des Sommers. Irgendwann findet sich erfahrungsgemäß eine weitere interessierte Seele an meiner Seite wieder und der Kreislauf beginnt von neuem. Ein paar Wochen, vielleicht Monate tausche ich mich aus, bin Mitmensch und Liebhaber. Dann irgendwann ein Cut und es geht umgehend zurück auf Feld Eins des Spielbretts. Das Dharma-Rad mit seinen acht Speichen mag sich unaufhörlich drehen, aber ich bleibe regungslos. Passe mich an die Gegebenheiten an, akzeptiere und beobachte. Ohne Groll, Widerstand oder größere Traurigkeit lebe ich einen Tag nach dem anderen ab. Sachdienlich, gesetzestreu, leidlich unterhaltsam. Sprechen Sie mich an, ich helfe gerne!

Logbucheintrag #9 – Wort gegen Bild

SchreibmaschineSeit dem ersten Artikel auf diesem Blog sind nun beinahe 11 Monate vergangen. Genauer gesagt 326 Tage, in denen ich sehr viel von mir preisgab, schrieb und analysierte. Jene öffentliche Genesungsarbeit tat mir gut, und hatte auch auf einige Leser positive Auswirkungen. Beides freut mich sehr, dennoch merke ich, dass fürs Erste genug Worte zu (virtuellem) Papier gebracht wurden. Das regelmäßige Reflektieren findet nun wieder im privaten Rahmen statt. Darüber hinaus gilt es jetzt, frische Eindrücke bzw. Erlebnisse zu sammeln, die vielleicht in ein paar Wochen zu neuen Artikeln reifen. Ideen sind immer noch reichlich vorhanden und werden mit Sicherheit irgendwann verarbeitet.

Doch vorher widme ich mich verstärkt der Malerei und Fotografie, die als Ausdrucksformen momentan geeigneter erscheinen. Nicht zuletzt, weil sie mich vom Rechner weg und bestenfalls hinaus in die Natur bringen. Es werden hier in Zukunft also eher visuelle Eindrücke auch euch warten, für die sich das Vorbeischauen jedoch weiterhin lohnt. Geplant sind Bilderserien, Collagen, Zeichnungen, digitale Arbeiten und vieles mehr. Jetzt bleibt mir nur noch Danke zu sagen, für euer Feedback, den Support und all die befruchtenden Konversationen der letzten Zeit. Genießt den Frühling, bleibt tapfer und seid lieb zu euch!

Logbucheintrag #8 – Isolationshaft

LeuchtturmHeute sind auf den Tag genau acht Wochen vergangen, seitdem ich zum letzten Mal jemanden real getroffen habe. Abgesehen von Passanten, Kassierern oder Nachbarn, bekam mich niemand zu Gesicht. Meine Gespräche beschränkten sich auf “Danke”, “Bitte” und “Ihnen auch”. Chats gibt es so gut wie gar nicht mehr, und Telefonate lassen ebenfalls nach. Ich bin total unter dem Radar verschwunden, und lebe im selbst gewählten Exil. Sogar für den Einzelgänger Stefan, der sich normalerweise alle zwei bis drei Wochen vergesellschaftet, ist das ungewöhnlich. Wirklich schlecht geht es mir damit aber nicht.
Weiterlesen

Logbucheintrag #7 – Neue Männer braucht das Land!

Sexismus und Frauenfeindlichkeit sind Probleme, die uns alle betreffen. Besonders Männer müssen sich hier noch viel klarer positionieren, und in ihrem Umfeld offen gegen übergriffiges Verhalten Stellung beziehen. Plumpe Anmachen und derbe Machowitze sind keine Kavaliersdelikte, sondern Wegbereiter der Rape Culture. Dieses Video gibt ein paar nützliche Denkanstöße für alle, die einen Beitrag zur Gleichberechtigung leisten möchten. Go for it!

 

Logbucheintrag #6 – Gezeitenwechsel

StraßenlaterneDer Sommer ist vorbei, und nach ein paar Tagen des goldenen, wunderschönen Herbstes, kommt jetzt die dunkle Phase auf uns zu. Das für depressive Menschen so wichtige Sonnenlicht lässt sich immer seltener blicken, und macht einer oft schmerzlich lange andauernden Düsternis Platz. Wenn ich auf die Vorhersage blicke, und jene mir solch ein Wetter prophezeit, bekomme ich Angst. Angst vor der Zukunft, Angst vor den Wochen ohne Licht, Angst vor allem. Ich weiß, dass es trotz all der erlernten Skills nicht leicht ist, diese Jahreszeit durchzustehen. Im Gegenteil, es wird ein Kampf, welcher von mir Achtsamkeit und aktive Gegenwehr fordert. Bin ich einmal mehr dafür bereit? Ich hoffe es.

Logbucheintrag #5 – Ein Leben in der zweiten Reihe

Robert BongeHeute möchte ich ein paar Zeilen über mein erstes und bisher einziges Buch „Ein Leben in der zweiten Reihe“ schreiben. Es wurde bereits 2011 fertiggestellt und komplett lektoriert, jedoch nie verlegt. Der biographische Roman erzählt die Geschichte des sympathischen Provinz-Losers Robert, welcher immer zur richtigen Zeit am falschen Ort (oder umgekehrt) zu sein scheint. Auf der Reise durch die Jahre trifft er etliche tragisch-komische Charaktere, die mit ihm eine Achterbahnfahrt aus Tod, Spaß, Musik, Wahnsinn, Liebe und Gewalt erleben. Das Werk ist chronologisch (1977 bis 2004) in der Ich-Form verfasst und spielt in einer nicht namentlich genannten fränkischen Kleinstadt.

Ende 2014 raffte ich mich endlich auf, und bot „Ein Leben in der zweiten Reihe“ diversen Verlagen bzw. Buchagenten an. Mir war klar, dass 95 Prozent aller unaufgeforderten Exposé-Einsendungen angesichts der enormen Schwemme an Manuskripten ignoriert werden. Probiert habe ich es trotzdem, allerdings erwartungsgemäß ohne Erfolg. Da mir das Self Publishing derzeit zu aufwendig ist, werde ich den Roman einfach häppchenweise auf meinem Blog veröffentlichen. Im Laufe der Woche geht es mit dem ersten Teil von Kapitel 1 „Kein Licht ohne Schatten“ los.

Es wäre schön, wenn „Ein Leben in der zweiten Reihe“ auf diesem Wege zumindest etwas Aufmerksamkeit bekommt, und ein paar interessierte Leser findet. Ich freue mich jetzt schon über euer Feedback, sei es positiv oder negativ.

Logbucheintrag #4 – In der Endlosschleife

Kompass und WeltkarteVorgestern bekam ich von Facebook ein Foto auf die Timeline gepinnt, welches exakt ein Jahr alt ist. Das Selfie wurde am Montagmorgen, nur wenige Minuten bevor ich endlich wieder zurück ins Büro kam, geschossen. Ich kann mich noch gut an den Moment erinnern, und ebenso an die positive Aufregung vor dem großen Neuanfang. Neun Monate Auszeit, zwei Klinikaufenthalte und harte Genesungsarbeit lagen hinter mir. Ich wollte mir mit dem Bild nicht nur selbst ein wenig Mut machen, sondern auch meinen Freunden zeigen, dass ich wieder im Rennen bin.

Der überraschende Rückblick hat mich ziemlich ins Grübeln gebracht. Ich ringe erneut mit der Krankheit, kündigte den sicheren Job, und steuere einer vollkommen ungewissen Zukunft entgegen. Habe ich versagt? War die Anstrengung umsonst? Wird vielleicht doch nicht alles gut? Ich weiß es nicht. Fakt ist nur, dass die Dinge sich ändern. Momentan kommt es mir zwar irgendwie okay vor, allerdings hänge ich mal wieder in einer totalen emotionalen Nulllinie. Gut – schlecht, Tag – Nacht, heiß – kalt, es fühlt sich vollkommen gleich an.

Oder besser gesagt, es fühlt sich überhaupt nicht an. Auch wenn ich mir in den letzten Wochen einen soliden Tagesrhythmus kultiviert habe, dringen nur sehr wenige Impulse zu mir durch. Das Spiel scheint arg beliebig, und die Sinnfrage stellt sich erneut. Ich werde einmal mehr nach den Sternen navigieren, so nah wie es geht bei mir bleiben, und in die Stille hören. Antworten sollten sich dann schon finden. Ob das Leben damit jedoch konform geht, steht auf einem anderen Blatt.

1 2