Logbucheintrag #3 – Das Prinzip Hoffnung

Sonne im WaldAls ich am 06.06. den ersten Teil meiner „Ufer“-Reihe publizierte, hatte ich keine Ahnung, wie die Resonanz darauf ausfallen würde. Ich wusste nicht, ob den Artikel überhaupt jemand registriert, bzw. ob sich irgendwer für meine Geschichte interessiert. Jetzt, sieben Wochen später, bin ich nicht nur schlauer, sondern auch verblüfft und erfreut. Mittlerweile kommen fast täglich Nachrichten von Lesern, die ich niemals erwartet hätte. Das durchweg positive, offene, warmherzige Feedback, gibt mir den nötigen Treibstoff, um diesen Blog weiter auszubauen. Es mindert meine Selbstzweifel, und lässt mich die derzeit vorherrschenden widrigen Umstände annehmen, ohne daran zu zerbrechen.

Aus Mails, Gesprächen und Kommentaren entnahm ich, dass die Texte einen Nerv getroffen haben, und etlichen Menschen aus der Seele sprechen. Menschen, die ebenfalls täglich mit der Krankheit konfrontiert sind, und hart dafür arbeiten, diese im Zaum zu halten. Je mehr Personen aufstehen, und ihre Erlebnisse ohne Scham oder Angst erzählen, desto größer wird die Akzeptanz der Gesellschaft dafür. Vieles geht schon in eine gute Richtung, aber es kann noch etliches verbessert werden, um ein Umfeld zu schaffen, in dem es sich leben und nicht nur überleben lässt. Ich bin nicht alleine, und ebenso wenig seid ihr es da draußen. Danke für eure Unterstützung!

Logbucheintrag #2 – Gefangen im System

Amtsärztliches GutachtenMeine Psychiaterin ist der Meinung, dass ich eine Auszeit brauche. Die Amtsärztin der Arbeitsagentur sieht es anscheinend ganz ähnlich, was das nebenstehende Gutachten verdeutlicht. „Sie machen jetzt erst mal gar nichts, und kommen zu Kräften.“, waren ihre Worte. Die einzigen, bei denen dies leider noch nicht angekommen ist, sind die Menschen aus der Leistungsabteilung. Auch neun Wochen nach meiner gesundheitlich bedingten Kündigung, haben sie es nicht vollbracht, ihre „Sperrzeitprüfung“ durchzuführen. Ein Blick in obengenanntes Dokument würde dafür genügen. Zwar hat es das Schreiben bereits als Kopie zu mir nach Hause geschafft, jedoch keineswegs in die heiligen Hallen der Entscheidungsträger. Sagt mein zuständiger Vermittler. Der selbe, welcher mir im Juni freudestrahlend folgenden Satz mit auf den Weg gab: „Natürlich bekommen Sie Arbeitslosengeld. Sie haben ja schließlich einen Anspruch darauf.“ Gar nicht so einfach, unter diesen Umständen wieder auf die Beine zu kommen…

Logbucheintrag #1 – Vorwärts für Mao!

Mao ZitatGerade eben ist mir der Brief einer Berliner Zeitarbeitsfirma ins Haus geflattert, in dem ich zur „Informationsveranstaltung“ eingeladen wurde. So weit, so ungewöhnlich. Reichlich verblüfft hat mich allerdings das Mao Zitat auf dem Umschlag, welches anscheinend der Motivation von zukünftigen Mitarbeitern dienen soll. Ob ein Diktator, dessen Regime 45 Millionen Menschenleben gekostet hat, der richtige Mentor für Produktivität ist, wage ich dennoch zu bezweifeln.

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