Der Feind heißt Mensch

Soziale Kontakte bedeuten für mich Stress. Mal mehr und mal weniger, aber grundsätzlich immer. Es gibt nur eine Ausnahme und das ist meine liebe Freundin Christina, bei der ich mir erlaube, ich selbst zu sein. Um an diesen Punkt zu gelangen, benötigt es Jahre des Vertrauen Verdienens. Und des „am Ball Bleibens“, bei jemandem, der sich schon wegen Kleinigkeiten wieder zurück in sein Schneckenhaus verkriecht. Darin Zuflucht sucht und alle anderen aussperrt. Der oft nur eine sehr dünne Schutzhaut hat, sensibel und distanziert ist. Dessen Komfortzone in frühester Kindheit entheiligt wurde. Der schnell lernen musste, dass der Mensch eine bösartige Kreatur sein kann.
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Wie ich zur digitalen Ramschware wurde

Ich kenne niemanden, der in puncto Onlinedating so eine lange Geschichte vorzuweisen hat, wie ich. Schon kurz nachdem 1998 mein erster Internetanschluss stand, trieb ich mich in diversen Chaträumen und Foren herum. Zuerst nur, um gleich gesinnte Musikfans zu treffen, bald aber auch mit romantischen Absichten. „Der Megatrend im World Wide Web heißt Chatten“, schrieb das FOCUS Magazin in 2000. Als diese prophetische Weisheit verkündet wurde, war ich bereits ein absoluter Profi und konnte etliche lange Nächte am Rechner verbuchen. Warum also rausgehen und im Provinzkaff nach der Liebe des Lebens suchen, wenn sich die Anbahnung auch bequem von zu Hause aus erledigen ließ?
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Nichts ist, wie es war

Es wird nicht wenige unter euch geben, denen 2016 als Horrorjahr schlechthin in Erinnerung bleibt. Auch ich könnte etliche Dinge aufzählen, die mich in dieser Meinung bestärken. Todesfälle in der Familie und unter geschätzten Künstlern, die immer bedrohlicher werdende Spirale aus Aktion und Reaktion, bedenkliche politische Tendenzen etc. Es ist verdammt viel Mist passiert und dennoch gelang es mir, Quantensprünge in Richtung Genesung zu machen. Eigenlob ist nicht mein Ding, aber auf die erzielten Fortschritte dürfte ich wahrscheinlich ganz objektiv betrachtet stolz sein. Immer mit dabei war mein noch recht junges, enorm treffsicheres Bauchgefühl, welches selbst im tiefsten Dunkel eine Richtung weisen konnte. Das Navigieren nach Emotionen brachte mich sehr schnell viel weiter, als es zermürbende Gedankenkonstrukte je vermochten.
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Rückkehr in die Wirklichkeit

Es muss 2012 gewesen sein, als mir der Arzt zum ersten Mal Fluoxetin verschrieb. Hierbei handelt es sich um ein klassisches Antidepressivum, welches die Aufnahme von Serotonin hemmt und seine Wirkung im Körper verlängert. Die Tabletten sollten mir helfen, meine damals starken Depressionen und Zwangshandlungen in den Griff zu bekommen. Ich zögerte mit der Einnahme eine ganze Weile, schluckte aber bald täglich 20 Milligramm davon. Die Hoffnung auf Leidensmilderung überwog einfach jede in mir rumorende Skepsis. Im Nachhinein betrachtet war es damals wohl die beste Entscheidung, denn ganz ohne Unterstützung hätte ich mich nie aus dem tiefen Loch ziehen können.
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Leitmotiv Luzifer (2) – Ad Astra

Nach dem Studium der satanischen Basics vertiefte ich mich in weitere offizielle Schriften von Anton Szandor LaVey und dem heutigen High Priest der Church Of Satan, Peter H. Gilmore. Ich lernte eine Menge über satanischen Feminismus, Herdenmentalität, Vernunft, Gleichmut, Eigenverantwortung, Selbstliebe, Genuss, psychische Vampire und die Heuchelei scheinbarer moralischer Instanzen. Vor all der erhellenden Theorie stand aber das „Gefühl Luzifer“. Ein warmes, tiefschwarzes, sanftes und erfüllendes, ja gar liebevolles Signal, das klar und deutlich in mir resonierte. Mühelos überstrahlte es den Lärm der Außenwelt, ohne sich anzubiedern oder um Aufmerksamkeit zu buhlen.
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Leitmotiv Luzifer (1) – Per Aspera

Irgendwann in den frühen Neunzigern kamen meine Erzeuger auf die aberwitzige Idee, mir alle Schallplatten mit scheinbar negativen Konnotationen wegzunehmen. Besonders plakative Cover von Bands wie Venom, Slayer oder Celtic Frost, mit meist recht finsteren Szenarien, versetzten beide zunehmend in Sorge. „Der Junge wird Satanist“, waren damals die prophetischen Worte meiner Mutter, welche von der Materie natürlich so viel Ahnung hatte, wie ich vom Wasserballett. Doch trotz der etwas verfrühten Diagnose sollte sie recht behalten. Lediglich eine kleine Korrektur möchte ich vornehmen: Der Junge wurde nämlich kein Satanist, sondern war es schon immer und realisierte dies lediglich etwas später.
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Zurück bleibt die Erinnerung

lukasWährend der letzten vier Monate klopfte Gevatter Tod dreimal an meine Tür, ohne mir dabei nur ein Haar zu krümmen. Stattdessen berief er zuerst Kater Lukas und wenig später Oma Berta und Onkel Werner zu sich. Vielleicht bin ich ein Scheusal, oder wirklich nicht zur emotionalen Bindung mit Menschen fähig, aber der Verlust des geliebten Stubentigers traf mich davon am meisten. Die von ihm hinterlassene Lücke wird niemals zu füllen sein, was der immer noch präsente Schmerz beweist. Auch wenn er in den Wochen vor seinem Heimgang stetig dünner wurde und man das hohe Alter erahnen konnte, geschah dennoch alles viel zu schnell.
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Tagebuch eines Trinkers (3) – Entzug

BierEs sind jetzt 23 Tage vergangen, seitdem ich meinen letzten Schluck Alkohol trank, und nichts ist mehr, wie es war. Ich habe sehr viel nachgedacht und gelangte zu Einsichten, die mir früher vollkommen verwehrt blieben. Erstmals in meinem Leben konnte ich den Konsum objektiv einordnen und verstehen, wie er mich manipuliert. Wie wenig Qualität vom Trinken wirklich ausgeht und was ich mir im Gegenzug dadurch verbaue. Ein dauerhaft trockenes Dasein könnte extrem viele Möglichkeiten bieten und mich mit Sicherheit persönlich sowie psychisch weiterbringen. Die klassische Win-Win-Situation.
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Tagebuch eines Trinkers (2) – Einsicht

BierMit Ausnahme eines achtwöchigen Klinikaufenthaltes gab es seit 1992 keinen längeren Zeitraum mehr, den ich nüchtern erlebte. Warum auch? Schließlich fand sich immer ein Grund zum Feiern, egal wie bescheuert er auch war. Meine erste richtig harte Phase hatte ich bereits mit 19. Da setzte ich mich samstagabends vor den PC und trank nebenbei bis zu 1 ½ Flaschen Billigwein. Irgendwann verschwommen die Bilder am Monitor so sehr, dass ich mit letzter Kraft in mein Bett kroch und den Rausch ausschlief. Um meine Sucht zu befriedigen, brauchte ich schon sehr früh keine Gesellschaft mehr.
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Tagebuch eines Trinkers (1) – Bestandsaufnahme

Bier

Ich trinke seit meinem 15. Lebensjahr Alkohol. Während anfangs nur Bier auf der Rechnung stand, war ich mit 17 schon beim härtesten Stoff, den man in meiner Stammkneipe ausschenkte. Captain Morgan mit 73% Feuerkraft sollte es sein. Zwischen einigen Pils, kippte ich davon vier Shots pur weg, bevor ich dreimal gegen die offene Ausgangstür lief, um mich auf den Heimweg zu machen. Damals war das alles cool, lustig und in der fränkischen Provinz auch akzeptierter Alltag. Schließlich handelt es sich um ein Grundnahrungsmittel. Steht ja angeblich im bayerischen Lebensmittelregister. Oder im Telefonbuch von Buxtehude.
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