Leitmotiv Luzifer (2) – Ad Astra

Nach dem Studium der satanischen Basics vertiefte ich mich in weitere offizielle Schriften von Anton Szandor LaVey und dem heutigen High Priest der Church Of Satan, Peter H. Gilmore. Ich lernte eine Menge über satanischen Feminismus, Herdenmentalität, Vernunft, Gleichmut, Eigenverantwortung, Selbstliebe, Genuss, psychische Vampire und die Heuchelei scheinbarer moralischer Instanzen. Vor all der erhellenden Theorie stand aber das „Gefühl Luzifer“. Ein warmes, tiefschwarzes, sanftes und erfüllendes, ja gar liebevolles Signal, das klar und deutlich in mir resonierte. Mühelos überstrahlte es den Lärm der Außenwelt, ohne sich anzubiedern oder um Aufmerksamkeit zu buhlen.
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Leitmotiv Luzifer (1) – Per Aspera

Irgendwann in den frühen Neunzigern kamen meine Erzeuger auf die aberwitzige Idee, mir alle Schallplatten mit scheinbar negativen Konnotationen wegzunehmen. Besonders plakative Cover von Bands wie Venom, Slayer oder Celtic Frost, mit meist recht finsteren Szenarien, versetzten beide zunehmend in Sorge. „Der Junge wird Satanist“, waren damals die prophetischen Worte meiner Mutter, welche von der Materie natürlich so viel Ahnung hatte, wie ich vom Wasserballett. Doch trotz der etwas verfrühten Diagnose sollte sie recht behalten. Lediglich eine kleine Korrektur möchte ich vornehmen: Der Junge wurde nämlich kein Satanist, sondern war es schon immer und realisierte dies lediglich etwas später.
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Zurück bleibt die Erinnerung

lukasWährend der letzten vier Monate klopfte Gevatter Tod dreimal an meine Tür, ohne mir dabei nur ein Haar zu krümmen. Stattdessen berief er zuerst Kater Lukas und wenig später Oma Berta und Onkel Werner zu sich. Vielleicht bin ich ein Scheusal, oder wirklich nicht zur emotionalen Bindung mit Menschen fähig, aber der Verlust des geliebten Stubentigers traf mich davon am meisten. Die von ihm hinterlassene Lücke wird niemals zu füllen sein, was der immer noch präsente Schmerz beweist. Auch wenn er in den Wochen vor seinem Heimgang stetig dünner wurde und man das hohe Alter erahnen konnte, geschah dennoch alles viel zu schnell.
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Tagebuch eines Trinkers (3) – Entzug

BierEs sind jetzt 23 Tage vergangen, seitdem ich meinen letzten Schluck Alkohol trank, und nichts ist mehr, wie es war. Ich habe sehr viel nachgedacht und gelangte zu Einsichten, die mir früher vollkommen verwehrt blieben. Erstmals in meinem Leben konnte ich den Konsum objektiv einordnen und verstehen, wie er mich manipuliert. Wie wenig Qualität vom Trinken wirklich ausgeht und was ich mir im Gegenzug dadurch verbaue. Ein dauerhaft trockenes Dasein könnte extrem viele Möglichkeiten bieten und mich mit Sicherheit persönlich sowie psychisch weiterbringen. Die klassische Win-Win-Situation.
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Tagebuch eines Trinkers (2) – Einsicht

BierMit Ausnahme eines achtwöchigen Klinikaufenthaltes gab es seit 1992 keinen längeren Zeitraum mehr, den ich nüchtern erlebte. Warum auch? Schließlich fand sich immer ein Grund zum Feiern, egal wie bescheuert er auch war. Meine erste richtig harte Phase hatte ich bereits mit 19. Da setzte ich mich samstagabends vor den PC und trank nebenbei bis zu 1 ½ Flaschen Billigwein. Irgendwann verschwommen die Bilder am Monitor so sehr, dass ich mit letzter Kraft in mein Bett kroch und den Rausch ausschlief. Um meine Sucht zu befriedigen, brauchte ich schon sehr früh keine Gesellschaft mehr.
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Tagebuch eines Trinkers (1) – Bestandsaufnahme

Bier

Ich trinke seit meinem 15. Lebensjahr Alkohol. Während anfangs nur Bier auf der Rechnung stand, war ich mit 17 schon beim härtesten Stoff, den man in meiner Stammkneipe ausschenkte. Captain Morgan mit 73% Feuerkraft sollte es sein. Zwischen einigen Pils, kippte ich davon vier Shots pur weg, bevor ich dreimal gegen die offene Ausgangstür lief, um mich auf den Heimweg zu machen. Damals war das alles cool, lustig und in der fränkischen Provinz auch akzeptierter Alltag. Schließlich handelt es sich um ein Grundnahrungsmittel. Steht ja angeblich im bayerischen Lebensmittelregister. Oder im Telefonbuch von Buxtehude.
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Transit obskur

SteinmauerIch bin kein Flüchtlingskind, das auf der gefährlichen Reise in die vermeintliche Sicherheit ertrunken ist. Ich bin auch kein Obdachloser, dem der Eiter bis zum Knöchel im Schuh steht. Der nicht mehr kann, keinen Schutz hat, keine Heimat und niemanden, der ihn in den Arm nimmt. Für den nur noch der Sprit etwas Erleichterung bringt. Nein, ich bin nur ein hirngefickter Spinner, dessen Krieg in frühester Kindheit begann und ihm Bilder bescherte, die er nie verarbeiten oder vergessen wird. Ich bin ein privilegierter Kranker. Ich besitze ein Dach über dem Kopf, ausreichend Essen und im Winter eine warme Jacke. Komfortzone mit Blick ins Grüne.
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Konfession eines Antikörpers

ZirkusDer Zirkus hat vor meinem Zimmerfenster halt gemacht. Jeden Abend blicke ich seitdem auf die blinkenden Glühbirnen, studiere das System ihres Farbwechsels und sehe mich an Projektionen satt, die man unter dem Zelt erahnen kann. Was mag darin vorgehen, wenn es wieder einmal heißt „Showtime!“? Schwingen sich wagemutige Artisten durch die Lüfte, bringen tollpatschige Clowns das Publikum zum Lachen, oder werden verblüffende Zaubertricks dargeboten? Ich vermag es nicht zu sagen. Was ich jedoch weiß, ist, dass das Spektakel immer um 22 Uhr ein schlagartiges Ende findet. Die Lichter gehen aus, der Applaus verstummt und nächtliche Stille legt sich auf das beschauliche Viertel.
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Tango im Trümmerfeld

SchuttManchmal ist meine Krankheit immer dann am beschissensten, wenn sie gerade nicht unkontrolliert wütet. Wenn ich die Symptome leidlich gut unter Kontrolle habe, und weder heulend in der Zimmerecke kauere noch mich mit Rasierklingen selbst verletzte oder in Suizidfantasien schwelge. Das Feuer brennt in diesen Momenten nicht lichterloh, aber die Glut glimmt beständig vor sich hin. Ich bringe mich zwar ohne nennenswerte Katastrophen über die Runden, bin jedoch vollkommen taub, antriebsarm und im Handeln stark eingeschränkt. Eine Art Wachkoma scheint also das Beste zu sein, was (derzeit) machbar ist.
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Verloren im Orbit

PferdekopfnebelGestern hatte ich nach langer Abstinenz (siehe hier) endlich mal wieder sozialen Kontakt. Ein Spaziergang mit meiner besten Freundin Christina und ihren beiden Hunden Lumpi und Leo stand auf dem Programm. Wir redeten, lachten, schnappten Luft und spielten die dankbaren Tiere müde. Es war schön, kurzweilig und sicherlich „therapeutisch sinnvoll“, dennoch zog es mich nach einer Stunde zurück in meine beinahe schon autistisch anmutende kleine Welt. Eine Welt, in der nur ich, die Katzen und all die winzigen Dinge existieren, die mir guttun. Ein fragiles Raumschiff, das sich langsam aber sicher immer mehr von diesem Planeten entfernt.
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