Transit obskur

SteinmauerIch bin kein Flüchtlingskind, das auf der gefährlichen Reise in die vermeintliche Sicherheit ertrunken ist. Ich bin auch kein Obdachloser, dem der Eiter bis zum Knöchel im Schuh steht. Der nicht mehr kann, keinen Schutz hat, keine Heimat und niemanden, der ihn in den Arm nimmt. Für den nur noch der Sprit etwas Erleichterung bringt. Nein, ich bin nur ein hirngefickter Spinner, dessen Krieg in frühester Kindheit begann und ihm Bilder bescherte, die er nie verarbeiten oder vergessen wird. Ich bin ein privilegierter Kranker. Ich besitze ein Dach über dem Kopf, ausreichend Essen und im Winter eine warme Jacke. Komfortzone mit Blick ins Grüne.
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Konfession eines Antikörpers

ZirkusDer Zirkus hat vor meinem Zimmerfenster halt gemacht. Jeden Abend blicke ich seitdem auf die blinkenden Glühbirnen, studiere das System ihres Farbwechsels und sehe mich an Projektionen satt, die man unter dem Zelt erahnen kann. Was mag darin vorgehen, wenn es wieder einmal heißt „Showtime!“? Schwingen sich wagemutige Artisten durch die Lüfte, bringen tollpatschige Clowns das Publikum zum Lachen, oder werden verblüffende Zaubertricks dargeboten? Ich vermag es nicht zu sagen. Was ich jedoch weiß, ist, dass das Spektakel immer um 22 Uhr ein schlagartiges Ende findet. Die Lichter gehen aus, der Applaus verstummt und nächtliche Stille legt sich auf das beschauliche Viertel.
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Tango im Trümmerfeld

SchuttManchmal ist meine Krankheit immer dann am beschissensten, wenn sie gerade nicht unkontrolliert wütet. Wenn ich die Symptome leidlich gut unter Kontrolle habe, und weder heulend in der Zimmerecke kauere noch mich mit Rasierklingen selbst verletzte oder in Suizidfantasien schwelge. Das Feuer brennt in diesen Momenten nicht lichterloh, aber die Glut glimmt beständig vor sich hin. Ich bringe mich zwar ohne nennenswerte Katastrophen über die Runden, bin jedoch vollkommen taub, antriebsarm und im Handeln stark eingeschränkt. Eine Art Wachkoma scheint also das Beste zu sein, was (derzeit) machbar ist.
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Verloren im Orbit

PferdekopfnebelGestern hatte ich nach langer Abstinenz (siehe hier) endlich mal wieder sozialen Kontakt. Ein Spaziergang mit meiner besten Freundin Christina und ihren beiden Hunden Lumpi und Leo stand auf dem Programm. Wir redeten, lachten, schnappten Luft und spielten die dankbaren Tiere müde. Es war schön, kurzweilig und sicherlich „therapeutisch sinnvoll“, dennoch zog es mich nach einer Stunde zurück in meine beinahe schon autistisch anmutende kleine Welt. Eine Welt, in der nur ich, die Katzen und all die winzigen Dinge existieren, die mir guttun. Ein fragiles Raumschiff, das sich langsam aber sicher immer mehr von diesem Planeten entfernt.
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Liebe, Lust, die Frauen und ich

Frau mit KaffeetasseWenn Männer sich in Schrift oder Bild der weiblichen Sexualität annehmen, ist das bis heute oft mit einem recht faden Beigeschmack behaftet. Ich versuche es trotzdem. Interessanterweise steckt das wahre Gift seltener im krankhaften Machismo wie er bspw. in Videoclips Verwendung findet, weil dieser derart plakativ ist, dass es keiner Brennlupe bedarf um ihn zu enttarnen. Schwieriger wird es dagegen bei diversen seriösen Publikationen, die ihre patriarchalische „Ich zeig dir wie es geht“ Mentalität mehr oder weniger subtil hinter allerhand hochtrabenden Floskeln verstecken. Jene staubtrockene Herangehensweise verdeutlicht, dass viele Männer die emotionale und völlig individuelle Natur der weiblichen Lust anscheinend nicht verstehen.
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Liebes Facebook, ich bin noch nicht fertig!

Soziale NetzwerkeDie ersten Tage ohne meinen virtuellen „Schuss“ (siehe Teil 1) waren fürchterlich. Ich fühlte mich unendlich isoliert, alleine und nutzlos. Niemand klopfte mir wohlwollend auf die Schulter oder fütterte mein kleines Ego mit Zustimmung. Darüber hinaus bekam ich den neuesten „heißen Scheiß“ nicht mehr mit, der mir ja so wichtig war. Ich musste meinen Alltag komplett umgestalten, was zunächts ziemlich schwer fiel. Dieses negative Empfinden wich jedoch recht schnell einer inneren Ruhe und Gelassenheit, die ich so gar nicht kannte. Ohne ständiges Checken von Statusmeldungen etc., konnte ich mich viel besser auf eine Sache konzentrieren und wurde produktiver denn je. Kurzum, der Ausstieg tat mir gut.
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Neue Ufer, alte Ängste (revisited)

Village RoadUnter dem Titel „Neue Ufer, alte Ängste“ veröffentlichte ich 2015 eine siebenteilige Artikelreihe, die in der Form nicht fortgesetzt wird. Ich schrieb über meinen psychischen Zusammenbruch, Depression, diverse Klinikaufenthalte, den langen Weg zur Heilung, Rückschläge und vieles mehr. Das Feedback darauf war absolut überwältigend, und übertraf alle persönlichen Erwartungen bei weitem. Meine bedingungslos ehrlichen, selbstkritischen Texte, schienen vielen Lesern aus dem Herzen zu sprechen und Mut zu machen. Um den Einstieg für neue Besucher dieses Blogs zu erleichtern, habe ich hier noch mal alle Teile in chronologischer Reihenfolge verlinkt.

Neue Ufer, alte Ängste (1) – Aufbruch

Neue Ufer, alte Ängste (2) – Erkenntnisse

Neue Ufer, alte Ängste (3) – Abstieg

Neue Ufer, alte Ängste (4) – Tapetenwechsel

Neue Ufer, alte Ängste (5) – Kollateralschäden

Neue Ufer, alte Ängste (6) – Zahnräder

Neue Ufer, alte Ängste (7) – Alleingang

Liebes Facebook, wir müssen reden!

StatistikenEs dürfte 2006 gewesen sein, als ich mich endgültig vom damals schon arg schwächelnden MySpace abwandte, und mein erstes Profil bei Facebook einrichtete. Damals war mir Mark Zuckerbergs Social Media Plattform vollkommen neu, und hatte bei weitem noch nicht die Relevanz von heute. Zahlreiche „Moved to Facebook“ Grafiken auf MySpace, machten mir jedoch schnell klar, wohin die Reise geht. Ich erinnere mich noch gut daran, dass FB wegen seines nüchternen Looks nicht nur auf Gegenliebe stieß, und die ganz harten MySpace Selbstdarsteller ziemlich enttäuschte. Auch ich konnte mich erst im Laufe der Zeit halbwegs damit anfreunden, finde die Usability aber bis heute eher suboptimal, und im Vergleich zu Google+ regelrecht unstrukturiert.
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2015 – Zwölf Monate im Zeitraffer

Uhrwerk vor MauerEinen Tag vor Silvester bekommt auch mein Jahr 2015 einen imaginären Haken hinten ran. Im persönlichen Bereich waren die letzten zwölf Monate deutlich ruhiger und ereignisarmer als 2014. Es gab keine Klinikaufenthalte, keine ständig wechselnden Frauen, und auch keine enormen gesundheitlichen Fortschritte. Viel mehr galt es, die erlernten Skills in den Alltag einzubauen, und mir ein neues Leben, basierend auf Achtsamkeit und individuellen Bedürfnissen zu erarbeiten. Hier hat sich dann doch einiges getan, denn ich schaffe es mehr denn je, meine innere Stimme wahrzunehmen, und versöhnlicher mit mir umzugehen.
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Weihnachten am Rande der Stadt

Weihnachten 2015Das Christfest ist eine schwierige Zeit, nicht nur für mich, sondern für viele Menschen. Irgendwo zwischen dem schier unerreichbaren Idealbild von besinnlicher, friedfertiger Familienzusammenführung, und der totalen Katastrophe, liegt die Wirklichkeit. Wer immer noch an jenen allmächtigen zottelbärtigen Gott glaubt, addiert nach persönlichem Gusto etwas religiöse Verklärung zur ohnehin schon brisanten Mischung. Oft türmen sich im wahrsten Sinne des Wortes himmelhohe Erwartungen vor uns auf, die theoretisch schon einschüchternd wirken, praktisch aber so gut wie nicht zu stemmen sind. Viele blenden aktuelle Probleme oder zwischenmenschliche Schwierigkeiten Ende Dezember komplett aus, bzw. bestreichen sie mit einer dicken Schicht Gleichmut. Nur etwas Urlaub von der eiskalten Realität soll es sein. Ein kurzes Innehalten, bevor die Tretmühle des Alltags wieder das Geschehen bestimmt.
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