Vom Helfen und Scheitern

Fußabdrücke im Schnee

Da mein letzter Artikel („Ich breche aus!“) rückblickend betrachtet etwas negativ und einseitig wirkt, hatte ich eigentlich vor, als Nächstes ein Gegenstück dafür zu verfassen. Ich wollte mich mit den Dingen beschäftigen, die das Dasein lebenswert machen. Die gut, wichtig und schön sind. Irgendwo zwischen den täglichen Horrornachrichten aus aller Welt, und kleineren Tragödien im Privatleben, verließ mich der Glaube daran jedoch ein wenig. Derzeit erscheint vieles entweder traurig, erschreckend oder schlichtweg demotivierend. Dieser Zustand ist ein Faktor, den längst nicht nur ich in meine Rechnung mit einkalkulieren muss, um persönlichen Schaden abzuwenden. Es wird Tag für Tag kälter vor der Haustür, und selbst die wärmste Jacke kommt dagegen nicht mehr an. Weiterlesen

Ich breche aus!

Skulptur des GefangenenWer mich kennt, der weiß, dass ich seit Jahren gegen die allgegenwärtige Schwere, Lethargie und Stumpfheit ankämpfe. Mal mehr und mal weniger motiviert, mit Innehalten, Zweifeln und beinahem Aufgeben. Ich strample wie ein Säugling, und versuche so gut es geht, meinen Kopf über Wasser zu halten. Ich benutze die Skills, welche man mir in all den Therapien vermittelte, um größeren Schaden abzuwenden und Hoffnung zu schöpfen. In dieser Routine aus Arztbesuchen, Papierkrieg, Achtsamkeit und Gesundungsarbeit, ist mir etwas aber vollkommen abhanden gekommen: Ein klares Bild des Feindes, gegen den ich Tag für Tag so kräftezehrend aufbegehre. Tue ich das alles wirklich aus Eigennutz, und für die Verbesserung meines Zustands, oder versuche ich mich an eine Gesellschaft anzugleichen, welche sich gerade selbst zersetzt?
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Neue Ufer, alte Ängste (7) – Alleingang

Straße ins UnbekannteDer Rückfall zeigte mir, wie sehr ich in den letzten Wochen gegen meine Befindlichkeiten, und somit gegen mich selbst, lebte. Ich dachte einfach, dass man sich seinen Ängste nicht oft genug stellen kann, und zwang mich deshalb vermehrt ins pralle Leben Berlins. Sicherlich tat mir die Ablenkung gut, aber es war auch jedes mal ein harter Kampf, unter wildfremden hippen Menschen zu sein. Der einzige vermeintliche Nutzen bestand darin, nicht wieder den Draht zu anderen zu verlieren. Die Idee, dass ich auch draußen sein kann, ohne in Kreuzberg abzuhängen, kam mir dabei nicht.
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Selfie, Hashtag und Co. – Warum bin ich bei Instagram?

Instagram London EyeDie äußerst beliebte Fotoplattform mit dem coolen „gram“ im Namen, war mir bis vor einigen Monaten allenfalls vom Hörensagen bekannt. Kim Kardashian hier, Skandale da, tolle Bilder dort. Was man eben so erzählt. Da sich meine private Selbstdarstellerei bisher auf Facebook beschränkte, kam es mir auch lange nicht in den Sinn, dahingehend weitere Nachforschungen anzustellen. Als ich mich entschied, diese Webseite ins Leben zu rufen, und meine Bilder fortan einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen, sollte sich das jedoch ändern. Mittlerweile habe ich schon etwas Instawissen angehäuft, welches ich natürlich gerne teilen möchte. Weiterlesen

Neue Ufer, alte Ängste (6) – Zahnräder

Straße ins UnbekannteNach der Entscheidung die Firma zu verlassen, gingen beinahe zwei Monate ins Land, bis ich wirklich kündigte. Natürlich ließen nagende Zweifel auch vor diesem wichtigen Schritt nicht lange auf sich warten. Sollte ich erst mal in Teilzeit weiterarbeiten, und meine Projekte nebenher vorantreiben? Vielleicht war das geregelte Leben als Angestellter doch die beste Wahl für mich? Konnte ich aufgrund der Krankheit derzeit überhaupt etwas arbeiten? Die Situation überforderte mich total, so dass ich die Angelegenheit erst mal bis zum Urlaub im Mai verschob, und weiterhin Dienst nach Vorschrift tat. Weiterlesen

Die Entfremdung des Borderliners

Steg im WinterAuch wenn bei mir die Diagnose „Borderline“ nie offiziell gestellt wurde, so erfülle ich wohl schon seit Ewigkeiten genügend Voraussetzungen, um als Paradebeispiel für jene Persönlichkeitsstörung durchzugehen. Mein Leben ist in all seinen Facetten von extremen Gegensätzen geprägt. Ich brenne mit lodernder Flamme für etwas, nur um es wenig später keines Blickes mehr zu würdigen. Ob das Menschen oder Dinge sind, macht dabei leider keinen Unterschied. Eine innige, heißblütige, tiefe Bindung kann ich in zwei bis vier Wochen aufbauen, und in höchstens fünf Minuten abrupt wieder beenden. Aus dem sanften, scheinbar warmherzigen Freund, wird dann plötzlich ein gleichgültiger, abweisender Fremder, der jeglichen Kontakt verweigert. Weiterlesen

Neue Ufer, alte Ängste (5) – Kollateralschäden

Straße ins UnbekannteDie Auszeit in Hessen war sinnvoll, um wieder etwas auf die Beine zu kommen, allerdings lag sie aber Meilenweit vom Alltag entfernt. In der Klinik befand ich mich im geschützten Raum, einer Seifenblase aus Sicherheit, die in Berlin unmöglich reproduziert werden konnte. Um den neu gewonnen Boden also nicht wieder zu verlieren, musste nach der Rückkehr an die Spree zusätzliche Unterstützung her. Ich wollte mein mehr oder weniger normales Leben mit all seinen Widrigkeiten bestreiten, und in der Verfassung war ich noch lange nicht. Kurzerhand entschied ich mich deshalb für den Aufenthalt in einer Tagesklinik, die sich unweit meiner Wohnung befand. Weiterlesen

Berlin – Irgendwas zwischen Liebe und Hass

Berlin SkylineManchmal frage ich mich, ob es nicht doch besser gewesen wäre, niemals auch nur einen Fuß in die Großstadt zu setzen. Seit zwei bis drei Jahren zieht dieser Gedanke immer häufiger durch meinen Kopf. Aber was für ein Mensch wäre ich heute, hätte ich 2004 die fränkische Kleinstadt nicht hinter mir gelassen? Ich könnte jetzt natürlich das Klischee vom Reihenhaus, dem Hund, der Ehefrau und den zweieinhalb Kindern strapazieren, würde der Sache damit aber wohl kaum gerecht werden. Schon alleine deshalb nicht, weil an einem derartigen Lebensmodell rein gar nichts verwerflich oder gar spießig ist, solange es dem freien Willen entspringt, und mehr Freude als Verdruss bereitet. Weiterlesen

Neue Ufer, alte Ängste (4) – Tapetenwechsel

Straße ins UnbekannteZwei Tage nach dem verzweifelten Anruf bei Judith, saß ich bereits im Wartezimmer meiner Ärztin, um die aktuellen Ereignisse zu beichten. Sie erkannte den Ernst der Lage sofort, verschrieb mir wieder Tabletten, und zog mich per Krankschreibung aus dem Verkehr. Generell stehe ich der medikamentösen Behandlung von psychischen Leiden kritisch gegenüber, und habe mich lange davor gesträubt, Antidepressiva zu nehmen. Schließlich bedarf es nur einer kleinen Recherche, um auf negative Artikel über die Pharmaindustrie zu stoßen, welche deren merkwürdiges Gebaren erkennen lassen. Weiterlesen

Neue Ufer, alte Ängste (3) – Abstieg

Straße ins UnbekannteBevor ich davon erzähle, wie ich die in Teil 2 erwähnten „echten Erfahrungen“ machen konnte, und was ich mit meiner neu gewonnen Lebensqualität so alles anstellte, möchte ich ins Jahr 2013 zurückblenden. Es war Mitte Februar, als sich mein Zustand langsam aber sicher zu verschlechtern begann, wovon die Öffentlichkeit natürlich nichts mitbekam. Vielmehr konnte ich schon nach ein paar Wochen im neuen Job erste kleine Erfolge erzielen, und bei den Kollegen mit meinen Kompetenzen punkten. Ich war damals hochmotiviert, und wollte allen zeigen, dass ich fit, produktiv sowie sozial vollkommen gesund bin. Mein Umfeld kaufte mir den Working Class Hero tatsächlich ab, und die immer stärker werdenden Selbstzweifel übertünchte ich durch das Vertiefen in die Tätigkeit. Weiterlesen

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