Logbucheintrag #11 – Gehen oder bleiben?

MargeriteNach über sechs Monaten der schriftlichen Auszeit von diesem Blog, stellte sich mir vor ein paar Tagen einmal mehr die Sinnfrage. Sollte ich wieder häufiger Artikel verfassen und Menschen an meinem Innenleben teilhaben lassen? Oder das Projekt würdevoll zu Grabe tragen und mich noch mehr zurückziehen in jene kleine Welt, die mir Schutz und etwas Geborgenheit verleiht? Der digitale Winterschlaf. Zu erzählen hätte ich allerdings eine ganze Menge und manches klare Statement brennt mir auch schon länger auf den Lippen.

Doch würde sich überhaupt noch jemand dafür interessieren? Müsste ich nun wieder überall die Werbetrommel für meine Texte rühren und bei Facebook hausieren gehen? Der Gedanke daran erzeugte sofort einen sehr faden Geschmack im Mund und dürfte die Freude an der Sache binnen kürzester Zeit erneut zu­nich­te­ma­chen. Denn die Lust zu schreiben ist durchaus wieder da, aber das Buhlen um Aufmerksamkeit im mit großartigen Worten prall gefüllten Internet kotzt mich immer noch an.

Nachdem ich diesen Blog im Mai 2015 startete, konnte ich mir binnen kürzester Zeit Besucherzahlen erarbeiten, von denen ich niemals auch nur geträumt hätte. Heute sieht das Ganze deutlich anders aus, denn kaum noch jemand verirrt sich hierher. Von den Spambots mal abgesehen. Meine Fotos und Bilder interessieren nur die Wenigsten, das ist mir mittlerweile klar. Darüber hinaus jedoch glaube ich fest daran, dass die Worte ihren Weg auch ohne digitale Hurerei zu dem einen oder anderen Lesen finden werden, und ihn im besten Falle positiv beeinflussen. Vielleicht blühen die schönsten Blumen ja wirklich im Verborgenen. In diesem Sinne: Bleiben Sie am Apparat, bald folgt der erste neue Wortbeitrag!

Logbucheintrag #10 – Kreislaufkollaps

RegentropfenMein Leben ist geprägt von krassen Gegensätzen. Es gibt Phasen, in denen ich wochenlang nicht mal die engsten Freunde treffe. Zum Geist werde. Nach der harten Askese konsultiere ich irgendwann wieder sehr selektiv Menschen. Meist lerne ich dann eine Frau kennen und hole mit ihr im Zeitraffer alles nach, was ich in den Monaten zuvor vernachlässigte. Wärme, Nähe, Sex, Interaktion. Batterien aufladen und weiterfahren. Im Moment sitze ich jedoch wieder alleine an meiner geliebten Panke. Nicht ganz freiwillig, aber irgendwie zufrieden. Ich blicke auf das Wasser des gemächlich ziehenden Flüsschens, hänge den Gedanken nach und sehe anderen dabei zu, wie sich mich anstarren. Ja, der Nasenring ist wirklich so groß.

In den nächsten Tagen werde ich mich wohl mehr auf die eigene Person konzentrieren (müssen). Auf meine kleine Nerdwelt, die Katzen und das Grün des Sommers. Irgendwann findet sich erfahrungsgemäß eine weitere interessierte Seele an meiner Seite wieder und der Kreislauf beginnt von neuem. Ein paar Wochen, vielleicht Monate tausche ich mich aus, bin Mitmensch und Liebhaber. Dann irgendwann ein Cut und es geht umgehend zurück auf Feld Eins des Spielbretts. Das Dharma-Rad mit seinen acht Speichen mag sich unaufhörlich drehen, aber ich bleibe regungslos. Passe mich an die Gegebenheiten an, akzeptiere und beobachte. Ohne Groll, Widerstand oder größere Traurigkeit lebe ich einen Tag nach dem anderen ab. Sachdienlich, gesetzestreu, leidlich unterhaltsam. Sprechen Sie mich an, ich helfe gerne!

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