Logbucheintrag #10 – Kreislaufkollaps

RegentropfenMein Leben ist geprägt von krassen Gegensätzen. Es gibt Phasen, in denen ich wochenlang nicht mal die engsten Freunde treffe. Zum Geist werde. Nach der harten Askese konsultiere ich irgendwann wieder sehr selektiv Menschen. Meist lerne ich dann eine Frau kennen und hole mit ihr im Zeitraffer alles nach, was ich in den Monaten zuvor vernachlässigte. Wärme, Nähe, Sex, Interaktion. Batterien aufladen und weiterfahren. Im Moment sitze ich jedoch wieder alleine an meiner geliebten Panke. Nicht ganz freiwillig, aber irgendwie zufrieden. Ich blicke auf das Wasser des gemächlich ziehenden Flüsschens, hänge den Gedanken nach und sehe anderen dabei zu, wie sich mich anstarren. Ja, der Nasenring ist wirklich so groß.

In den nächsten Tagen werde ich mich wohl mehr auf die eigene Person konzentrieren (müssen). Auf meine kleine Nerdwelt, die Katzen und das Grün des Sommers. Irgendwann findet sich erfahrungsgemäß eine weitere interessierte Seele an meiner Seite wieder und der Kreislauf beginnt von neuem. Ein paar Wochen, vielleicht Monate tausche ich mich aus, bin Mitmensch und Liebhaber. Dann irgendwann ein Cut und es geht umgehend zurück auf Feld Eins des Spielbretts. Das Dharma-Rad mit seinen acht Speichen mag sich unaufhörlich drehen, aber ich bleibe regungslos. Passe mich an die Gegebenheiten an, akzeptiere und beobachte. Ohne Groll, Widerstand oder größere Traurigkeit lebe ich einen Tag nach dem anderen ab. Sachdienlich, gesetzestreu, leidlich unterhaltsam. Sprechen Sie mich an, ich helfe gerne!

Transit obskur

SteinmauerIch bin kein Flüchtlingskind, das auf der gefährlichen Reise in die vermeintliche Sicherheit ertrunken ist. Ich bin auch kein Obdachloser, dem der Eiter bis zum Knöchel im Schuh steht. Der nicht mehr kann, keinen Schutz hat, keine Heimat und niemanden, der ihn in den Arm nimmt. Für den nur noch der Sprit etwas Erleichterung bringt. Nein, ich bin nur ein hirngefickter Spinner, dessen Krieg in frühester Kindheit begann und ihm Bilder bescherte, die er nie verarbeiten oder vergessen wird. Ich bin ein privilegierter Kranker. Ich besitze ein Dach über dem Kopf, ausreichend Essen und im Winter eine warme Jacke. Komfortzone mit Blick ins Grüne.
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Logbucheintrag #9 – Wort gegen Bild

SchreibmaschineSeit dem ersten Artikel auf diesem Blog sind nun beinahe 11 Monate vergangen. Genauer gesagt 326 Tage, in denen ich sehr viel von mir preisgab, schrieb und analysierte. Jene öffentliche Genesungsarbeit tat mir gut, und hatte auch auf einige Leser positive Auswirkungen. Beides freut mich sehr, dennoch merke ich, dass fürs Erste genug Worte zu (virtuellem) Papier gebracht wurden. Das regelmäßige Reflektieren findet nun wieder im privaten Rahmen statt. Darüber hinaus gilt es jetzt, frische Eindrücke bzw. Erlebnisse zu sammeln, die vielleicht in ein paar Wochen zu neuen Artikeln reifen. Ideen sind immer noch reichlich vorhanden und werden mit Sicherheit irgendwann verarbeitet.

Doch vorher widme ich mich verstärkt der Malerei und Fotografie, die als Ausdrucksformen momentan geeigneter erscheinen. Nicht zuletzt, weil sie mich vom Rechner weg und bestenfalls hinaus in die Natur bringen. Es werden hier in Zukunft also eher visuelle Eindrücke auch euch warten, für die sich das Vorbeischauen jedoch weiterhin lohnt. Geplant sind Bilderserien, Collagen, Zeichnungen, digitale Arbeiten und vieles mehr. Jetzt bleibt mir nur noch Danke zu sagen, für euer Feedback, den Support und all die befruchtenden Konversationen der letzten Zeit. Genießt den Frühling, bleibt tapfer und seid lieb zu euch!

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