Transit obskur

SteinmauerIch bin kein Flüchtlingskind, das auf der gefährlichen Reise in die vermeintliche Sicherheit ertrunken ist. Ich bin auch kein Obdachloser, dem der Eiter bis zum Knöchel im Schuh steht. Der nicht mehr kann, keinen Schutz hat, keine Heimat und niemanden, der ihn in den Arm nimmt. Für den nur noch der Sprit etwas Erleichterung bringt. Nein, ich bin nur ein hirngefickter Spinner, dessen Krieg in frühester Kindheit begann und ihm Bilder bescherte, die er nie verarbeiten oder vergessen wird. Ich bin ein privilegierter Kranker. Ich besitze ein Dach über dem Kopf, ausreichend Essen und im Winter eine warme Jacke. Komfortzone mit Blick ins Grüne.
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Logbucheintrag #9 – Wort gegen Bild

SchreibmaschineSeit dem ersten Artikel auf diesem Blog sind nun beinahe 11 Monate vergangen. Genauer gesagt 326 Tage, in denen ich sehr viel von mir preisgab, schrieb und analysierte. Jene öffentliche Genesungsarbeit tat mir gut, und hatte auch auf einige Leser positive Auswirkungen. Beides freut mich sehr, dennoch merke ich, dass fürs Erste genug Worte zu (virtuellem) Papier gebracht wurden. Das regelmäßige Reflektieren findet nun wieder im privaten Rahmen statt. Darüber hinaus gilt es jetzt, frische Eindrücke bzw. Erlebnisse zu sammeln, die vielleicht in ein paar Wochen zu neuen Artikeln reifen. Ideen sind immer noch reichlich vorhanden und werden mit Sicherheit irgendwann verarbeitet.

Doch vorher widme ich mich verstärkt der Malerei und Fotografie, die als Ausdrucksformen momentan geeigneter erscheinen. Nicht zuletzt, weil sie mich vom Rechner weg und bestenfalls hinaus in die Natur bringen. Es werden hier in Zukunft also eher visuelle Eindrücke auch euch warten, für die sich das Vorbeischauen jedoch weiterhin lohnt. Geplant sind Bilderserien, Collagen, Zeichnungen, digitale Arbeiten und vieles mehr. Jetzt bleibt mir nur noch Danke zu sagen, für euer Feedback, den Support und all die befruchtenden Konversationen der letzten Zeit. Genießt den Frühling, bleibt tapfer und seid lieb zu euch!

Konfession eines Antikörpers

ZirkusDer Zirkus hat vor meinem Zimmerfenster halt gemacht. Jeden Abend blicke ich seitdem auf die blinkenden Glühbirnen, studiere das System ihres Farbwechsels und sehe mich an Projektionen satt, die man unter dem Zelt erahnen kann. Was mag darin vorgehen, wenn es wieder einmal heißt „Showtime!“? Schwingen sich wagemutige Artisten durch die Lüfte, bringen tollpatschige Clowns das Publikum zum Lachen, oder werden verblüffende Zaubertricks dargeboten? Ich vermag es nicht zu sagen. Was ich jedoch weiß, ist, dass das Spektakel immer um 22 Uhr ein schlagartiges Ende findet. Die Lichter gehen aus, der Applaus verstummt und nächtliche Stille legt sich auf das beschauliche Viertel.
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