Konfession eines Antikörpers

ZirkusDer Zirkus hat vor meinem Zimmerfenster halt gemacht. Jeden Abend blicke ich seitdem auf die blinkenden Glühbirnen, studiere das System ihres Farbwechsels und sehe mich an Projektionen satt, die man unter dem Zelt erahnen kann. Was mag darin vorgehen, wenn es wieder einmal heißt „Showtime!“? Schwingen sich wagemutige Artisten durch die Lüfte, bringen tollpatschige Clowns das Publikum zum Lachen, oder werden verblüffende Zaubertricks dargeboten? Ich vermag es nicht zu sagen. Was ich jedoch weiß, ist, dass das Spektakel immer um 22 Uhr ein schlagartiges Ende findet. Die Lichter gehen aus, der Applaus verstummt und nächtliche Stille legt sich auf das beschauliche Viertel.
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Tango im Trümmerfeld

SchuttManchmal ist meine Krankheit immer dann am beschissensten, wenn sie gerade nicht unkontrolliert wütet. Wenn ich die Symptome leidlich gut unter Kontrolle habe, und weder heulend in der Zimmerecke kauere noch mich mit Rasierklingen selbst verletzte oder in Suizidfantasien schwelge. Das Feuer brennt in diesen Momenten nicht lichterloh, aber die Glut glimmt beständig vor sich hin. Ich bringe mich zwar ohne nennenswerte Katastrophen über die Runden, bin jedoch vollkommen taub, antriebsarm und im Handeln stark eingeschränkt. Eine Art Wachkoma scheint also das Beste zu sein, was (derzeit) machbar ist.
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Verloren im Orbit

PferdekopfnebelGestern hatte ich nach langer Abstinenz (siehe hier) endlich mal wieder sozialen Kontakt. Ein Spaziergang mit meiner besten Freundin Christina und ihren beiden Hunden Lumpi und Leo stand auf dem Programm. Wir redeten, lachten, schnappten Luft und spielten die dankbaren Tiere müde. Es war schön, kurzweilig und sicherlich „therapeutisch sinnvoll“, dennoch zog es mich nach einer Stunde zurück in meine beinahe schon autistisch anmutende kleine Welt. Eine Welt, in der nur ich, die Katzen und all die winzigen Dinge existieren, die mir guttun. Ein fragiles Raumschiff, das sich langsam aber sicher immer mehr von diesem Planeten entfernt.
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Liebe, Lust, die Frauen und ich

Frau mit KaffeetasseWenn Männer sich in Schrift oder Bild der weiblichen Sexualität annehmen, ist das bis heute oft mit einem recht faden Beigeschmack behaftet. Ich versuche es trotzdem. Interessanterweise steckt das wahre Gift seltener im krankhaften Machismo wie er bspw. in Videoclips Verwendung findet, weil dieser derart plakativ ist, dass es keiner Brennlupe bedarf um ihn zu enttarnen. Schwieriger wird es dagegen bei diversen seriösen Publikationen, die ihre patriarchalische „Ich zeig dir wie es geht“ Mentalität mehr oder weniger subtil hinter allerhand hochtrabenden Floskeln verstecken. Jene staubtrockene Herangehensweise verdeutlicht, dass viele Männer die emotionale und völlig individuelle Natur der weiblichen Lust anscheinend nicht verstehen.
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Logbucheintrag #8 – Isolationshaft

LeuchtturmHeute sind auf den Tag genau acht Wochen vergangen, seitdem ich zum letzten Mal jemanden real getroffen habe. Abgesehen von Passanten, Kassierern oder Nachbarn, bekam mich niemand zu Gesicht. Meine Gespräche beschränkten sich auf „Danke“, „Bitte“ und „Ihnen auch“. Chats gibt es so gut wie gar nicht mehr, und Telefonate lassen ebenfalls nach. Ich bin total unter dem Radar verschwunden, und lebe im selbst gewählten Exil. Sogar für den Einzelgänger Stefan, der sich normalerweise alle zwei bis drei Wochen vergesellschaftet, ist das ungewöhnlich. Wirklich schlecht geht es mir damit aber nicht.
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Liebes Facebook, ich bin noch nicht fertig!

Soziale NetzwerkeDie ersten Tage ohne meinen virtuellen „Schuss“ (siehe Teil 1) waren fürchterlich. Ich fühlte mich unendlich isoliert, alleine und nutzlos. Niemand klopfte mir wohlwollend auf die Schulter oder fütterte mein kleines Ego mit Zustimmung. Darüber hinaus bekam ich den neuesten „heißen Scheiß“ nicht mehr mit, der mir ja so wichtig war. Ich musste meinen Alltag komplett umgestalten, was zunächts ziemlich schwer fiel. Dieses negative Empfinden wich jedoch recht schnell einer inneren Ruhe und Gelassenheit, die ich so gar nicht kannte. Ohne ständiges Checken von Statusmeldungen etc., konnte ich mich viel besser auf eine Sache konzentrieren und wurde produktiver denn je. Kurzum, der Ausstieg tat mir gut.
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