Neue Ufer, alte Ängste (5) – Kollateralschäden

Straße ins UnbekannteDie Auszeit in Hessen war sinnvoll, um wieder etwas auf die Beine zu kommen, allerdings lag sie aber Meilenweit vom Alltag entfernt. In der Klinik befand ich mich im geschützten Raum, einer Seifenblase aus Sicherheit, die in Berlin unmöglich reproduziert werden konnte. Um den neu gewonnen Boden also nicht wieder zu verlieren, musste nach der Rückkehr an die Spree zusätzliche Unterstützung her. Ich wollte mein mehr oder weniger normales Leben mit all seinen Widrigkeiten bestreiten, und in der Verfassung war ich noch lange nicht. Kurzerhand entschied ich mich deshalb für den Aufenthalt in einer Tagesklinik, die sich unweit meiner Wohnung befand. Weiterlesen

Logbucheintrag #1 – Vorwärts für Mao!

Mao ZitatGerade eben ist mir der Brief einer Berliner Zeitarbeitsfirma ins Haus geflattert, in dem ich zur „Informationsveranstaltung“ eingeladen wurde. So weit, so ungewöhnlich. Reichlich verblüfft hat mich allerdings das Mao Zitat auf dem Umschlag, welches anscheinend der Motivation von zukünftigen Mitarbeitern dienen soll. Ob ein Diktator, dessen Regime 45 Millionen Menschenleben gekostet hat, der richtige Mentor für Produktivität ist, wage ich dennoch zu bezweifeln.

Berlin – Irgendwas zwischen Liebe und Hass

Berlin SkylineManchmal frage ich mich, ob es nicht doch besser gewesen wäre, niemals auch nur einen Fuß in die Großstadt zu setzen. Seit zwei bis drei Jahren zieht dieser Gedanke immer häufiger durch meinen Kopf. Aber was für ein Mensch wäre ich heute, hätte ich 2004 die fränkische Kleinstadt nicht hinter mir gelassen? Ich könnte jetzt natürlich das Klischee vom Reihenhaus, dem Hund, der Ehefrau und den zweieinhalb Kindern strapazieren, würde der Sache damit aber wohl kaum gerecht werden. Schon alleine deshalb nicht, weil an einem derartigen Lebensmodell rein gar nichts verwerflich oder gar spießig ist, solange es dem freien Willen entspringt, und mehr Freude als Verdruss bereitet. Weiterlesen

Neue Ufer, alte Ängste (4) – Tapetenwechsel

Straße ins UnbekannteZwei Tage nach dem verzweifelten Anruf bei Judith, saß ich bereits im Wartezimmer meiner Ärztin, um die aktuellen Ereignisse zu beichten. Sie erkannte den Ernst der Lage sofort, verschrieb mir wieder Tabletten, und zog mich per Krankschreibung aus dem Verkehr. Generell stehe ich der medikamentösen Behandlung von psychischen Leiden kritisch gegenüber, und habe mich lange davor gesträubt, Antidepressiva zu nehmen. Schließlich bedarf es nur einer kleinen Recherche, um auf negative Artikel über die Pharmaindustrie zu stoßen, welche deren merkwürdiges Gebaren erkennen lassen. Weiterlesen

Neue Ufer, alte Ängste (3) – Abstieg

Straße ins UnbekannteBevor ich davon erzähle, wie ich die in Teil 2 erwähnten „echten Erfahrungen“ machen konnte, und was ich mit meiner neu gewonnen Lebensqualität so alles anstellte, möchte ich ins Jahr 2013 zurückblenden. Es war Mitte Februar, als sich mein Zustand langsam aber sicher zu verschlechtern begann, wovon die Öffentlichkeit natürlich nichts mitbekam. Vielmehr konnte ich schon nach ein paar Wochen im neuen Job erste kleine Erfolge erzielen, und bei den Kollegen mit meinen Kompetenzen punkten. Ich war damals hochmotiviert, und wollte allen zeigen, dass ich fit, produktiv sowie sozial vollkommen gesund bin. Mein Umfeld kaufte mir den Working Class Hero tatsächlich ab, und die immer stärker werdenden Selbstzweifel übertünchte ich durch das Vertiefen in die Tätigkeit. Weiterlesen

1 7 8 9 10 11