Neue Ufer, alte Ängste (7) – Alleingang

Straße ins UnbekannteDer Rückfall zeigte mir, wie sehr ich in den letzten Wochen gegen meine Befindlichkeiten, und somit gegen mich selbst, lebte. Ich dachte einfach, dass man sich seinen Ängste nicht oft genug stellen kann, und zwang mich deshalb vermehrt ins pralle Leben Berlins. Sicherlich tat mir die Ablenkung gut, aber es war auch jedes mal ein harter Kampf, unter wildfremden hippen Menschen zu sein. Der einzige vermeintliche Nutzen bestand darin, nicht wieder den Draht zu anderen zu verlieren. Die Idee, dass ich auch draußen sein kann, ohne in Kreuzberg abzuhängen, kam mir dabei nicht.
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Neue Ufer, alte Ängste (6) – Zahnräder

Straße ins UnbekannteNach der Entscheidung die Firma zu verlassen, gingen beinahe zwei Monate ins Land, bis ich wirklich kündigte. Natürlich ließen nagende Zweifel auch vor diesem wichtigen Schritt nicht lange auf sich warten. Sollte ich erst mal in Teilzeit weiterarbeiten, und meine Projekte nebenher vorantreiben? Vielleicht war das geregelte Leben als Angestellter doch die beste Wahl für mich? Konnte ich aufgrund der Krankheit derzeit überhaupt etwas arbeiten? Die Situation überforderte mich total, so dass ich die Angelegenheit erst mal bis zum Urlaub im Mai verschob, und weiterhin Dienst nach Vorschrift tat. Weiterlesen

Neue Ufer, alte Ängste (5) – Kollateralschäden

Straße ins UnbekannteDie Auszeit in Hessen war sinnvoll, um wieder etwas auf die Beine zu kommen, allerdings lag sie aber Meilenweit vom Alltag entfernt. In der Klinik befand ich mich im geschützten Raum, einer Seifenblase aus Sicherheit, die in Berlin unmöglich reproduziert werden konnte. Um den neu gewonnen Boden also nicht wieder zu verlieren, musste nach der Rückkehr an die Spree zusätzliche Unterstützung her. Ich wollte mein mehr oder weniger normales Leben mit all seinen Widrigkeiten bestreiten, und in der Verfassung war ich noch lange nicht. Kurzerhand entschied ich mich deshalb für den Aufenthalt in einer Tagesklinik, die sich unweit meiner Wohnung befand. Weiterlesen

Neue Ufer, alte Ängste (4) – Tapetenwechsel

Straße ins UnbekannteZwei Tage nach dem verzweifelten Anruf bei Judith, saß ich bereits im Wartezimmer meiner Ärztin, um die aktuellen Ereignisse zu beichten. Sie erkannte den Ernst der Lage sofort, verschrieb mir wieder Tabletten, und zog mich per Krankschreibung aus dem Verkehr. Generell stehe ich der medikamentösen Behandlung von psychischen Leiden kritisch gegenüber, und habe mich lange davor gesträubt, Antidepressiva zu nehmen. Schließlich bedarf es nur einer kleinen Recherche, um auf negative Artikel über die Pharmaindustrie zu stoßen, welche deren merkwürdiges Gebaren erkennen lassen. Weiterlesen

Neue Ufer, alte Ängste (3) – Abstieg

Straße ins UnbekannteBevor ich davon erzähle, wie ich die in Teil 2 erwähnten „echten Erfahrungen“ machen konnte, und was ich mit meiner neu gewonnen Lebensqualität so alles anstellte, möchte ich ins Jahr 2013 zurückblenden. Es war Mitte Februar, als sich mein Zustand langsam aber sicher zu verschlechtern begann, wovon die Öffentlichkeit natürlich nichts mitbekam. Vielmehr konnte ich schon nach ein paar Wochen im neuen Job erste kleine Erfolge erzielen, und bei den Kollegen mit meinen Kompetenzen punkten. Ich war damals hochmotiviert, und wollte allen zeigen, dass ich fit, produktiv sowie sozial vollkommen gesund bin. Mein Umfeld kaufte mir den Working Class Hero tatsächlich ab, und die immer stärker werdenden Selbstzweifel übertünchte ich durch das Vertiefen in die Tätigkeit. Weiterlesen

Neue Ufer, alte Ängste (2) – Erkenntnisse

Straße ins UnbekannteBevor ich realisierte dass ich mich immer mehr in eine Sackgasse manövrierte, zwischenmenschlich total verwahrloste und kurz vor dem Suizidversuch stand, strampelte ich einige Monate nach Kräften, um über Wasser zu bleiben. Zwischen Februar und November 2013 war mein Leben die reinste Hölle, auch falls das jetzt vielleicht theatralisch klingen mag. Mir ist durchaus bewusst dass ich auf hohem Niveau klage, wenn ich über meine „Wohlstandskrankheit“ erzähle, aber Schmerz bleibt nun mal Schmerz, und um den zu spüren muss man nicht im Kriegsgebiet leben oder unmittelbar von Hunger betroffen sein. Weiterlesen

Neue Ufer, alte Ängste (1) – Aufbruch

Straße ins UnbekannteAm 20.04. habe ich es endlich getan. Nach langem Grübeln, schlaflosen Nächten und nagenden Zweifeln bat ich meinen Chef um 9.32 Uhr zum persönlichen Gespräch und teilte ihm mit dass ich die Firma verlasse. Stille, temporäre Gesichtslähmung und leichte Fassungslosigkeit bei dem Gegenüber. Ja, das kam unerwartet. Zweieinhalb Jahre als Angestellter brachten mir einen recht sicheren Stand in dem kleinen Betrieb ein, und auch die meisten Kollegen konnte ich für mich gewinnen. Selbst während der neunmonatigen psychisch bedingten Krankheit schien niemand auf die Idee zu kommen mich mit Sanktionen zu belegen oder mir gar zu kündigen. Kurzum, ich gehörte einfach dazu, und das mutmaßlich nicht nur am Rande, sondern recht zentral. Weiterlesen